
- DOMINIK CASTILLO
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Das Controller Magazin feierte Ende 2025 sein 50-jähriges Jubiläum. Gemeinsam mit Stefan Löwe, der mit seiner Werbeagentur das Magazin designt, blicken wir zurück in die Anfangszeit – persönliche Anekdoten inklusive. Im Interview schildert er nicht nur, wie sich das Magazin optisch weiterentwickelt hat, sondern erklärt auch, was gutes Printdesign ausmacht.
9. März 2026

Herr Löwe, Sie verantworten mit Ihrer Agentur das Design des Controller Magazins seit
knapp 20 Jahren. Nehmen Sie uns bitte mit auf eine Zeitreise, beginnend bei den Anfängen.
Sehr gern! Los ging es 2008. Die „deyhle & löwe Werbeagentur“ hieß damals noch „deyhledesign“. Gründerin war meine Frau Dorothee Deyhle, die 2008 den Auftrag für das Redesign des Magazins erhielt. Die Produktion des Magazins war zuvor eher pragmatisch. Es entstand aus einer Idee meines Schwiegervaters Albrecht Deyhle vor gut 50 Jahren. Er war als Berater in unterschiedlichen Unternehmen tätig und schrieb am Abend im Hotelzimmer das nieder, woran diese Firmen gerade arbeiteten oder mit welchen Problemen sie konfrontiert waren. Diese losen Blätter verwahrte er in seiner schwarzen Aktentasche. Dort blieben sie nicht lange. Denn Albrecht Deyhle erkannte sehr schnell, dass dieser hochinteressante Stoff es wert war, publiziert zu werden. Getreu dem Motto:
Aus der Praxis – für die Praxis.
Eine spannende Anekdote. Wie gelang es, die losen Blätter in ein Magazin zu überführen?
Familie Deyhle schaffte damals eine A4-Kopiermaschine an und stellte sie im Keller des Wohnhauses auf. Später kamen eine A3-Druckmaschine, ein Rüttler und eine Schneidemaschine dazu. Die Druckmaschine war so groß, dass es nicht möglich war, sie über die Treppe in den Keller zu befördern.
Also wurde das Gerät kurzerhand auseinandergebaut, in drei Teilen angeliefert und im Keller wieder zusammengebaut. Die Hoheit über dieses Projekt hatte meine Schwiegermutter Hannelore Deyhle.
Sie hatte zwar weder Druck- noch Verlagswesen gelernt – aber das war egal. Alles war zweckmäßig. Die Familie krempelte die Ärmel hoch und fing einfach an.
Und das Ergebnis?
Das „Einfach machen“ sah man den ersten Exemplare natürlich an. Sie waren ein Mix aus Fachbeiträgen und kopierter Schwarz-Weiß -Optik. Anfangs, also in den 1970er Jahren, war die relativ neue Tätigkeit „Controlling“ sehr angesagt. Das Thema war der Star. Aufmachung, Typografie und Gestaltung spielten eine eher untergeordneten Rolle. Das änderte sich im Laufe der Zeit – wenn auch, zugegebenermaßen, reichlich spät.
Sie spielen auf das Redesign an. Verraten Sie mehr darüber.
Mit dem Redesign 2008 öffnete sich das Magazin für zeitgemäße technische und gestalterische Möglichkeiten. Es war zwar immer noch ein inhaltlich starkes Fachmagazin, doch der Fokus lag nun auch auf Farbbildern, anschaulichen Grafiken, einem professionellen Satz und einer insgesamt sehr viel professionelleren Aufmachung. Von da an gab es zudem ein ansprechendes Magazin-Cover mit Aufmacherbild und Artikel-Headlines. Zuvor waren auf dem Titel neben dem Logo des Controller Magazins nur die Inhaltsartikel aufgelistet – Überbleibsel der schnellen und pragmatischen Herangehensweise aus der Anfangszeit.
Warum hat es vergleichsweise lang bis zum Redesign gedauert?
Das Controller Magazin ist – von Beginn an – inhaltlich einzigartig aufgebaut. Die Artikel stammen überwiegend von unterschiedlichen Fachleuten, die über ihre Unternehmenspraxis berichten. So entsteht ein sehr bunter Mix an Länge, Stil und Art der einzelnen Fachbeiträge. Diesen Umstand galt es auch beim Redesign zu berücksichtigen. So erstellten wir einen großen, modularen Baukasten mit praktischen Vorgaben für Typografie, Umgang mit Farben und Bildern sowie Gestaltung. Das Design und die moderne, zeitgemäße Optik sind abgestimmt auf die eingängige Präsentation typischer Controlling-Inhalte – mit dem Ziel, ein optimiertes und besseres Lesevergnügen zu schaffen.
Wissen was im Magazin passiert: Überblick der Themen und Termine 2026
Wie ging es nach dem Redesign weiter?
2016 haben wir damit begonnen, das Cover-Design weiterzuentwickeln. Wir führten Headlines und Schlagworte ein, die auf das jeweilige Titelthema einzahlten. So befreiten wir uns von der Eins-zu-eins-Abbildung der sperrigen Artikel-Überschriften und können seitdem eine kreativere Bildsprache verwenden. Unsere Anspruch ist und war, aufmerksamkeitsstarke und vor allem spannende Titel zu entwerfen – gerade, weil es sich ja um ein Fachmagazin mit eher abstrakten Themen handelt.
2020, also zwölf Jahre nach dem ersten Redesign, war diese Optik wieder in die Jahre gekommen.
Es bedurfte eines neuen und zeitgemäßeren Designs, ohne die Wiedererkennung zu gefährden.
Wir stellten alles auf den Prüfstand, strukturierten das Magazin neu, überdachten und verbesserten es. Entstanden ist ein hochmodernes Magazin, das sich optisch auf einem neuen Level befindet. Am augenfälligsten ist sicherlich das Cover-Design. Es ist der erste Berührungspunkt, den potenzielle Leser mit einem Magazin haben. Es ist ausschlaggebend dafür, ob sie das Heft in die Hand nehmen – oder eben nicht. Hier haben wir unsere eigene Messlatte sehr hochgelegt. Seitdem versuchen wir, uns mit jeder weiteren Ausgabe selbst zu übertreffen.
Gelingt es Ihnen, dieses ambitionierte Ziel zu erreichen?
Ja, ich denke, das ist uns in den letzten Jahren sehr gut gelungen. Wir überzeugen durch kreative und aufmerksamkeitsstarke Ideen, die besonders im Magazinumfeld deutlich herausragen. Und wir haben noch eine Schippe draufgelegt. 2022 haben wir das Controller Magazin an die veränderten Benutzergewohnheiten angepasst, und wir haben die „CM-App“ entwickelt. Das Controller Magazin gibt es auch als digitale Ausgabe auf allen möglichen digitalen Devices.
Laden Sie sich die digitale Ausgabe direkt auf Ihr Smartphone: App Store // Google Play Store
Wenn Sie auf diese Entwicklung zurückblicken: Was sind die größten Veränderungen?
Aus den anfänglich kopierten und zusammengehefteten Artikeln ist ein hochmodernes Fachmagazin geworden, das – damals wie heute – ausgewählte, praxisnahe Fachbeiträge beinhaltet. Anfangs genügte es, die Artikel abzutippen und zu publizieren. Heute bereiten wir sie typografisch und bildlich auf, erzeugen Anleser, lockern das Layout durch Zitate oder herausgehobene Textstellen auf und fassen lange Artikel zu einer Summary zusammen. So gelingt es uns, auch komplexe Texte lesefreundlich aufzubereiten. Heute führt kein Weg mehr daran vorbei, Aufmachung und Optik eines Fachmagazins an den aktuellen Zeitgeist und die damit einhergehenden Erwartungen anzupassen – auch an unsere eigenen. Denn das Controller Magazin ist die Mitgliederzeitschrift des Internationalen Controller Vereins e.V. Die Leser erwarten zurecht ein optisch ansprechendes und modernes Magazin.
Warum ist es wichtig, Fachmedien professionell zu designen?
Ich halte es generell für wichtig, publizierte Beiträge professionell zu designen. Jeden Tag strömen durchschnittlich zwanzigmal mehr Informationen auf uns Menschen ein als noch im Jahr 1975. Damals musste man Informationen suchen. Heute muss man sie aktiv abwehren. Das heißt im Umkehrschluss, dass es nur mit thematisch relevanten und optisch perfekt aufbereiteten Inhalten überhaupt noch gelingt, zum Leser durchzudringen. Vernachlässigen Magazinmacher eines dieser beiden Parameter, wenden sich die Leser ab – das Ende eines jeden Printmediums.
Gutes Design ist also ein Must-have. Was macht für Sie gutes Printdesign aus?
Unsere Währung ist Aufmerksamkeit. Gutes Printdesign befindet sich – wie alle Informationen – im permanenten Wettstreit um die Gunst der Konsumenten. Damit sich ein Magazin durchsetzen kann, benötigt es zuallererst einen aufmerksamkeitsstarken Aufmacher, der die Neugierde des Lesers weckt. Nachgelagert, aber ebenso wichtig, sind dann der perfekte Umgang mit Typografie, Bild und Farbe, die Struktur des Magazins und die klare Reduktion auf das Wesentliche. In der Umsetzung durch kreative und geschulte Designer trennt sich hier die Spreu vom Weizen.
Generell gilt: Gutes Printdesign zeigt sich sowohl in der Gestaltung als auch in der Auswahl des Materials, also des Papiers. Auch Faktoren wie Druckart, Druckqualität und Format sind entscheidend.
Was würden Sie sagen: Welche Rolle spielen Printmedien heute überhaupt noch?
Print ist nicht tot. Auch, wenn viele das Printsterben seit Jahren propagieren. Nur die Bedeutung hat sich verschoben. Digitale Inhalte sind direkt verfügbar, doch zugleich sind sie flüchtig. Gedrucktes wirkt nach wie vor wertiger und überprüfter. Wir Menschen sind (immer noch) analoge Wesen. Wir fühlen und erfassen Dinge mit all unseren Sinnen. Ich sage gern: Digitales verkauft den Moment.
Print erzeugt Bedeutung. Genau das zeigen übrigens auch Studien:
Gedrucktes wird besser erinnert als Digitales. Gerade im Fachkontext ist das nicht zu unterschätzen. Ich kann meinem Kollegen ein Printmagazin auf den Schreibtisch legen. Ich kann es weiterreichen oder in meinen Rucksack packen, um es später im Zug zu lesen. Was ich mal schnell zwischendurch auf dem Smartphone lese, vergesse ich vermutlich in der Flut an digitalen Informationen recht schnell wieder. Oder es gelingt mir nicht, einen Online-Artikel nicht mehr wiederzufinden.
Also entweder Print oder Online?
Nein. Ich denke, dass analoge und digitale Medien gut nebeneinander koexistieren. Jedes Medium hat seine Vor- und Nachteile. Wer auf schnelle, massentaugliche und ständig aktualisierbare Informationen setzt, ist mit einem Online-Angebot gut aufgehoben. Wer etwas zu sagen hat, sollte Print wählen. Eine gedruckte Botschaft wirkt einfach ernsthafterer.
Wir feiern 50 Jahre Controller Magazin mit einem Crossmedia-Jubiläumsangebot für Print & Digital.
Umso wichtiger ist es, dass Printmedien handwerklich gut gemacht sind.
Ganz genau. Die digitalen Medien werden momentan geflutet mit KI-erstellten Beiträgen. Es beginnen jetzt schon eine Reizüberflutung und eine Sättigung. Da tut es gut, sich mit einem Printmedium wie dem Controller Magazin von der Masse abzuheben. Inhaltlich und optisch. Wenn gedruckte Fachmedien billig und unprofessionell gestaltet sind, verlieren sie ihren Vorteil gegenüber digitalen Inhalten. Sie landen wahrscheinlich ungelesen im Papierkorb. Die Mühe, solch ein Magazin zu produzieren, kann man sich getrost sparen.
Was denken Sie: Wie müssen Fachmagazine zukünftig konzipiert und gestaltet sein,
damit Leser sie gerne kaufen?
Ich denke, zuallererst müssen sie für die Leserinnen und Leser relevant sein. Bewährt hat sich ein ausgewogener Mix aus tiefergehenden Inhalten und kurzen Praxistipps für den Unternehmensalltag.
Dabei darf die Gestaltung niemals Selbstzweck sein. Nein, sie ermöglicht dem Leser, die Inhalte einfacher zu erfassen. Sie erklärt oder regt zum eigenen Denken an – durch gute Typografie und durchdachtes Design.
>> Lieber Herr Löwe, wir danken Ihnen sehr für die Einblicke, die Sie uns in Ihre
Familiengeschichte und in den Themenkomplex rund um Magazindesign gewährt haben.
Stefan Löwe ist seit 2013 Geschäftsführer und kreativer Leiter der deyhle & löwe Werbeagentur. Gemeinsam mit seiner Frau Dorothee Deyhle als Geschäftsführer-Duo der auf B2B spezialisierten Full-Service-Werbeagentur entwickelt er für mittelständische Unternehmen unterschiedlicher Branchen professionelle Markenauftritte, durchdachte Werbekonzepte und herausragendes Design – digital wie analog. Stefan Löwe ist ein kreativer Konzeptioner mit starkem Kampagnendenken und großem Marken-Know-how. Er war jahrelang mit seiner Expertise für zahlreiche namhafte Agenturen und Kunden tätig, unter anderem für ProSieben, Kabel 1, Tele5, Allianz, BMW Financial Service, Deutsche Post, Reebok, Coca-Cola, Südzucker, McDonalds und Konica Minolta.
Das Controller Magazin gibt es gedruckt, als digitale Ausgabe, sowie im Newsletter und Onlineportal.
Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung der Sprachformen männlich, weiblich und divers verzichtet.
Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für alle Geschlechter.